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14. Dezember 2017

Deutsche bevorzugen feste Arbeitszeiten an festen Arbeitsplätzen

In einer früheren Blog-Reihe haben wir anhand internationaler Forschungsergebnisse aufgezeigt, wie sich das geografische Umfeld und die Kultur auf die Erwartungen an das Arbeitsumfeld auswirken. Wir berichteten, dass Europäer bei Workplace-bedingten Veränderungen eher zurückhaltend sind, während MitarbeiterInnen im Asien-Pazifik-Raum Veränderungen am positivsten gegenüberstehen.

Aber wie sehen das eigentlich die MitarbeiterInnen in unseren weltweiten Niederlassungen? Wir haben Sie gefragt. In diesem Blogbeitrag, dem dreiten in unserer Reihe „Workplace im Wandel - der Ländervergleich“, teilt Malco Blümel, Project Manager bei Planon Central Europe, seine Ansichten zu diesem Thema.

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Gibt es tatsächlich Veränderungsbedarf?

Im Durchschnitt bevorzugen deutsche ArbeitnehmerInnen einen eigenen – vorzugsweise mit einem Bild ihres Nachwuchses ausgestatteten – Schreibtisch, den sie jeden Tag zur gleichen Zeit verlassen können. So ist es seit vielen Jahren, und so wird es wohl auch bleiben. Generell sind die meisten Deutschen recht konservativ und nicht gerade wandlungsfreudig. Der allgemeine Konsens lautet: Warum müssen wir uns verändern, wenn alles gut läuft? Gleiches gilt z. B. für flexible Arbeitszeiten oder die Einführung innovativer Technologien. In der Regel dauert es sehr lange, bis Technologien wie kontaktloses Bezahlen oder das Bezahlen mit einer Kreditkarte in der Kantine von der Mehrheit der Deutschen angenommen werden.

Dies sind nur einige Beispiele für unsere zögerliche Bereitschaft, unsere Gewohnheiten zu ändern. Meiner Meinung nach sind wir im Allgemeinen etwas konservativer als unsere Nachbarländer. Wir halten stark an unseren Traditionen, Überzeugungen und Werten fest. Dies gilt nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern auch für das Arbeitsumfeld. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Konzept der flexiblen Arbeitszeit ein Gesprächsthema war. Laut dieser aktuellen Studie bevorzugt die Mehrheit der deutschen ArbeitnehmerInnen feste Arbeitszeiten, wohingegen andere Länder in Europa flexiblen Arbeitszeiten scheinbar offener gegenüberstehen. Obwohl dies auch von der jeweiligen Arbeitsstelle abhängt, sind diese Zahlen doch recht aussagekräftig.

Klare Unterscheidung zwischen Arbeits- und Privatleben

Es liegt wohl in der DNA der Deutschen, hart und lange zu arbeiten. Obwohl ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit haben, sich z. B. nach einer arbeitsreichen Woche freizunehmen, kommt dies nicht allzu häufig vor. Die meisten ArbeitnehmerInnen haben auch die Flexibilität, dann zu arbeiten, wann sie wollen, aber sie arbeiten lieber zu normalen Zeiten und verlassen das Büro jeden Abend um fünf Uhr, und das auch an sehr arbeitsreichen Tagen. Meiner Meinung nach tun die Deutschen tendenziell mehr, als von ihrem Arbeitgeber verlangt wird, fordern jedoch kurzfristig keine Gegenleistung dafür. Sie unterscheiden jedoch klar zwischen Arbeits- und Privatleben. Wenn die Deutschen abends das Büro verlassen, stehen sie Ihrem Arbeitgeber in der Regel nicht mehr zur Verfügung – mit Ausnahme von hochbezahlten Jobs oder Start-ups. Die Erkenntnis des vorangegangenen Blogposts zu geografischen Unterschieden, in dem die klare Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben der Deutschen aufgezeigt wurde, ist somit völlig zutreffend.

Deutsche ArbeitnehmerInnen bevorzugen feste Arbeitszeiten und feste Arbeitsplätze. Wenn wir von flexiblen Arbeitsplätzen sprechen, schwingt immer die Angst vor Situationen mit, wie wir sie häufig bei Billigfliegern erleben. Ist man zu spät, bekommt man den schlechtesten Platz. Einige Unternehmen haben dieses Konzept eingeführt. Infolgedessen kamen die Mitarbeiter jeden Tag früher zur Arbeit, nur um den besten Schreibtisch im Büro zu ergattern. Ein weiteres Beispiel ist ein Unternehmen, das die Arbeitsplatzpolitik eingeführt hatte, dass jeder Mitarbeiter beim Verlassen des Unternehmens seinen Schreibtisch räumen musste. Doch fast jedem in diesem Unternehmen missfiel diese Politik.

Flexibilität unerwünscht

Einige Unternehmen haben ihren MitarbeiterInnen zwar flexible Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt, doch die ArbeitnehmerInnen haben diese Flexibilität nach einiger Zeit einfach wieder abgeschafft. Und um ehrlich zu sein: Alle waren damit einverstanden. Einer der Gründe könnte darin liegen, dass die Hierarchie bei der Zuweisung von Arbeitsplätzen in Deutschland eine große Rolle spielt: je höher die Position, desto besser der Arbeitsplatz. Wenn jemand mit einem guten Platz das Unternehmen verlässt, übernimmt der nächste in der Hierarchie diesen leeren Platz. Das passiert recht häufig, denn meiner Meinung nach ist es durchaus üblich, dass Deutsche alle zwei oder drei Jahre den Arbeitgeber wechseln, um die Karriereleiter hochzuklettern oder sich beruflich neu zu orientieren.

Ein zunehmender Trend in Deutschland ist die Arbeit von zu Hause aus. Diese Entwicklung begann vor etwa drei bis fünf Jahren und erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da sie sich sehr positiv auf unsere Lebensqualität auswirkt – denn wir müssen nicht mehr von zu Hause ins Büro pendeln. Es hat eine Weile gedauert, bis die Deutschen das Konzept des Homeoffice angenommen haben, doch nun schreitet diese Entwicklung zügig voran. Das Arbeiten mit dem Handy und modernen digitalen Kommunikationsmitteln nimmt ständig zu, obwohl es normalerweise einige Zeit dauert, bis die Deutschen neue innovative Technologien nutzen.

Vorschriften als Hindernis

Eines der größten Hindernisse bei der Einführung neuer Technologien am Arbeitsplatz ist die deutsche Gesetzgebung. Es gibt Tools zur Überwachung der Belegung von Besprechungsräumen, die nicht nur Informationen über den Raum selbst, sondern möglicherweise auch über die Mitarbeiter liefern, die diese Räume nutzen. Diese Daten müssen anonym behandelt werden, da deutsche Betriebsräte die Einführung von Technologien verhindern können, die gegen die Privatsphäre verstoßen. Die Adaption neuer Technologien erfordert also fast immer auch eine Anpassung der entsprechenden Gesetzgebung. Und wie wir wissen, kann das ein langwieriger Prozess sein, was es zu einem Haupthindernis für schnelle Veränderungen macht. Für die weitere Entwicklung Deutschlands als Technologieführer kann das ein großes Risiko sein.

Ein Ausblick

Einige Leser könnten jetzt meinen, dass meine Sicht der Dinge doch etwas schwarz – weiß und stereotypisch ist. Aber auch Stereotypen kommen ja von irgendwoher. Und gerade der so wichtige und oft gepriesene deutsche Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, wird oft noch sehr „traditionell“ geführt. Vor dem Hintergrund, dass Technologien die Produktivität und Effizienz am Arbeitsplatz steigern können, werden die großen Konzerne diese Technologien über kurz oder lang einführen, um ihre Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu maximieren. Und spätestens dann müssen auch die mittelständischen Unternehmen folgen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Es wird also noch einige Zeit dauern, all das zu ändern. Nichtsdestotrotz bin ich zuversichtlich, dass es uns gelingen wird.

Malco Blümel
Project Manager Planon Central Europe