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16. Juli 2015

Ihr Gebäude ist intelligenter, als Sie denken

In deutschen Zügen wird die Verfügbarkeit der Plätze auf einem kleinen Bildschirm angezeigt, basierend auf den eingegangenen Reservierungen. Zugestiegene Fahrgäste, ohne Platzreservierung, können auf diese Weise sehen, ab wann und wo ein Platz auf ihrer Strecke frei ist. Fahrgäste mit Reservierung finden ihren Platz schneller, da ihre Reservierung über dem Sitzplatz angezeigt wird. So lässt sich die Kapazität des Zuges ganz ohne Ärgernisse optimal nutzen und sorgt für weitaus mehr Komfort. Das ist ein gutes Beispiel für den sinnvollen Umgang mit Daten. 

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Bislang wurden Reservierungsdaten lange Zeit in den Systemen der Deutschen Bahn gespeichert, um den Schaffnern einen besseren Überblick zu verschaffen. Zum Nutzen der Fahrgäste wurden sie aber nicht verwendet. Heute hingegen dienen sie den Fahrgästen als Informationsquelle und steuern die Fahrgastströme. Dasselbe Prinzip machen wir uns inzwischen auch in Gebäuden zunutze: „Smart Buildings“ ist das neue Schlagwort im Facility- und Immobilienmanagement.

Mehr als gestapelte Backsteine

Früher waren Gebäude im Grunde nicht mehr als gestapelte Backsteine. Von den Investitionskosten entfielen 80 Prozent auf den Bau; der kleine Rest war für die nötigste Technik bestimmt, etwa die Stromversorgung und Heizungsinstallation. Heute entfällt oft mehr als die Hälfte der Investition auf die Technik, Tendenz steigend, da immer mehr Installationen eingebaut werden. Und selbst die Installationen ihrerseits werden zunehmend technisiert; wo es einst die Arbeit eines Menschen war, läuft die Installation heute über Sensoren selbstständig.

Mithilfe allerlei technologischer Finessen versuchen wir, unsere Gebäude noch intelligenter zu gestalten, aber oft ist uns gar nicht bewusst, dass die Gebäude schon eine Menge Informationen bieten, die wir nur zu nutzen brauchen. Ihr Gebäude ist intelligenter, als Sie denken – wenn Sie wissen, wie Sie die vorhandenen Informationen erschließen und verwenden können, lässt sich einiges optimieren. Nicht nur für die Gebäudeverwaltung selbst, sondern auch zum Vorteil der Nutzer.

Messung, Information und Steuerung

Nehmen wir als Beispiel einmal die Informationen über die Anwesenheit der Besucher, die das Gebäudeverwaltungssystem ohnehin schon erfasst. Wer das Gebäude betritt, passiert oft ein Tor. Dadurch kann registriert werden, wie viele Menschen sich im Gebäude aufhalten. Wenn eine Person den Aufzug verlässt, sinkt die Belastung des Aufzugs durchschnittlich um 80 kg. So kann berechnet werden, wie viele Personen pro Etage aussteigen und wo sie sich im Gebäude befinden. Wenn diese Daten mit der Häufigkeit der Öffnung der Treppenhaus- oder Brandschutztür kombiniert werden, lässt sich feststellen, wie viele Personen sich in einer Etage aufhalten. Dadurch können weitere Personen darüber in Kenntnis gesetzt werden, wenn eine Etage belegt ist und ggf. auf eine andere Etage ausweichen.

Oft ist es verblüffend einfach, derartige Informationen zu erschließen. Man muss nur die vorhandenen Daten einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Das ist keine höhere Mathematik, sondern eine Frage des “Sich-bewusst-machens”und der richtigen Anwendung. Vor allem in unserer heutigen modernen Zeit, in der sich nahezu alles durch Sensoren messen lässt, werden derartige Daten zu einer wahren Goldmine. Die Deutschen sind international für ihr Organisationstalent und ihre Pünktlichkeit bekannt, aber am Beispiel des Bahnreservierungssystems zeigt sich auch, dass sie kreativ genug sind dieses Gold auch zu finden, um bei der Goldminenmetaphorik zu bleiben. Und was die Deutschen können, können wir doch auch?

David Stillebroer
Director Product Management