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20. August 2015

Mitarbeiter brauchen Freiheit, um innovativ zu sein

Sein Verhalten anpassen, weil man sich überwacht fühlt – das ist, zusammengefasst, das Panoptikum-Prinzip, das der britische Philosoph Jeremy Bentham 1791 geprägt hat. Dieses Prinzip fand seinerzeit beispielsweise in Gefängnissen Anwendung, in denen die Gefangenen durch ständige Sichtbarkeit kontrolliert und zu konformem Verhalten veranlasst wurden. Von den in dieser Bauform errichteten Haftanstalten existiert jedoch kaum noch eine. Dennoch erscheint das Prinzip heute, über 200 Jahre später, relevanter denn je, denn noch nie konnten Menschen so leicht zu jeder Zeit und an jedem Ort überwacht werden.

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Freiheit und Kreativität gehen Hand in Hand

Immer mehr Organisationen begrüßen das Prinzip des „Neuen Arbeitens“. Sie geben ihren Mitarbeitern mehr Bewegungsfreiheit, was ihre Kreativität und Produktivität fördert. Denn nur wer sich frei fühlt, kann wirklich kreativ handeln. Man teilt den Tag nach eigenen Vorstellungen ein und fühlt sich frei, auch mit Kollegen aus anderen Abteilungen Ideen auszutauschen. Die Stechuhr ist Vergangenheit; stattdessen arbeiten wir zeit- und ortsunabhängig. Diese Entwicklung wird durch IT-Lösungen, soziale Medien und intelligente, flexible Arbeitsplätze unterstützt.

Indem im Büro Sensoren installiert werden, lässt sich auf einfache Weise feststellen, welche Arbeitsplätze zu welchen Zeiten besetzt sind. Sensoren liefern eine Menge nützlicher, anonymer Informationen. Sie helfen den Mitarbeitern, schnell einen freien Arbeitsplatz zu finden und unterstützen die Facility Manager dabei, eine optimale Auslastung des Gebäudes zu realisieren.

Wenn Sensoren dazu verwendet werden, die Besetzung von Arbeitsplätzen in anonymer Form anzuzeigen, trägt die Technologie zur Schaffung eines Arbeitsumfelds bei, in dem sich die Mitarbeiter ungehindert auf ihre Arbeit konzentrieren können. Andere Technologien ermöglichen es jedoch auch, die Mitarbeiter über ihre Smartphones zu verfolgen und auf diese Weise Daten zu erfassen. Mit solchen personenbezogenen Informationen können die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter kontrollieren und steuern.

Anpassung des Verhaltens

Wenn die Technologie dazu eingesetzt wird, nicht die Arbeitsplätze, sondern die Arbeitskräfte zu überwachen, wird sie zu einem Kontrollmittel, das dem Prinzip des Neuen Arbeitens nicht entspricht. Denn was passiert, wenn sich Menschen bewusst werden, dass sie verfolgt werden (können)? Dann geht es ihnen wie den Gefangenen im Panoptikum.

Das Max-Planck-Institut stellte kürzlich in einer Untersuchung fest, dass Menschen ihr Verhalten im Voraus anpassen, wenn sie ein negatives Ergebnis erwarten. Das ist der so genannte Chilling-Effekt. Wenn Menschen wissen, dass sie beobachtet werden, tendieren sie immer mehr zu sozial erwünschtem Verhalten. So beginnen sie beispielsweise nicht mehr so leicht ein spontanes Gespräch mit einem Kollegen, weil sie denken, ihr Vorgesetzter könne sie sehen und den Eindruck erhalten, sie würden faulenzen. Eine andere amerikanische Untersuchung zum Thema Privatsphäre und Datenschutz ergab darüber hinaus, dass sich Menschen von einer Organisation abwenden, wenn sie sich überwacht fühlen.

Die Möglichkeiten, die die neuen Technologien bieten, stehen sich also in einem labilen Gleichgewicht gegenüber: Die Verfolgung von Personen ermöglicht einen Einblick in die Arbeitsplatznutzung, birgt aber auch die Gefahr, dass die Mitarbeiter ihr Verhalten in unerwünschter Weise anpassen und sich von der Organisation abwenden.

Beim Einsatz neuer Technologien ist also offenbar „Autonomie“ das Schlüsselwort, denn schließlich will niemand, dass sich das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Chilling-Effekt abkühlt.

David Stillebroer
Director Product Management