Kundenportal customer-icon
02. Juni 2016

Neue Vorschriften für die Bilanzierung von Leasingverhältnissen; die Brücke zu einer ehrlichen Bilanz

Die neuen Vorschriften für die Bilanzierung von Leasingverhältnissen werden für die Wirtschaft von großer Bedeutung sein. 2019 müssen Organisationen, die an FASB oder IFRS gebunden sind, nahezu alle Leasingverträge in ihrer Bilanz angeben. Klingt logisch? Weltweit werden bisher lediglich 15 Prozent der 3000 Milliarden Euro an Leasinggeschäften in die Bilanz aufgenommen. Die neuen Vorschriften haben also große Auswirkungen. Die Veröffentlichung einer Bilanz und Kontrolle durch einen Wirtschaftsprüfer waren übrigens nicht immer gang und gäbe.

FAQ - Welche Auswirkungen die neuen Lease Accounting Standards für Ihr Unternehmen haben

Fünf häufig gestellte Fragen zur Leasingbilanzierung für Sie beantwortet.

Mehr lesen

Gehen wir zurück ins Jahr 1850, in ein geradezu provinzielles Rotterdam. Die Stadtentwicklung steht still, während Amsterdam, Antwerpen und selbst das kleine Vlissingen zu dem Hafenzentrum Westeuropas zu werden scheinen. Doch schließlich überholt Rotterdam alle Konkurrenten, und daran hat der Unternehmer Lodewijk Pincoffs einen wichtigen Anteil. In einem Zeitraum von dreißig Jahren arbeitet er sich in den höchsten Kreisen Rotterdams hoch. Er spielt eine wichtige Rolle im Stadtrat, erhält einen Sitz in der Ersten Kammer des niederländischen Parlaments und hat wohlhabende Freunde.

Auf sein Drängen hin werden 9 Millionen Gulden in den Hafen investiert. Eine neue Wasserstraße sowie eine Bahnlinie werden angelegt, um die Erreichbarkeit Rotterdams zu verbessern. Die Stadtentwicklung scheint sich nicht aufhalten zu lassen. Das ändert sich jedoch Ende der siebziger Jahre, als man entdeckt, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Pincoffs hat die Buchhaltung gefälscht und Schulden als Gewinn eingetragen. 1879 flüchtet er nach New York. Eine Büste und eine kleine Brücke am Poortgebouw in der Stadt sind heute die einzigen Erinnerungen an den einst so gefeierten Geschäftsmann.

Pincoffs ließ die Stadt und die Investoren mit leeren Händen zurück. Es ist kein Zufall, dass zu dieser Zeit der Beruf des Wirtschaftsprüfers geboren wurde. Und noch schlimmer: Die Wasserstraßen, in die viel Geld investiert worden war, verschlammten. Mithilfe von Baggern – die die Route wieder befahrbar machten – sowie der Gemeinde unternahm Rotterdam schließlich doch noch die Schritte, die dazu führten, dass die Stadt heute eine der größten Hafenstädte der Welt ist.

Zurück in die Gegenwart. Viele Organisationen arbeiten jetzt mit bilanzunwirksamen Leasingverträgen, auch für große Verbindlichkeiten wie die Miete eines Bürogebäudes. Das Gebäude sowie die Mietverbindlichkeit werden in der Bilanz also nicht angegeben, wodurch diese günstiger ausfallen kann. Das ändert sich mit den neuen Vorschriften 2019, doch die großen Organisationen müssen diese drastischen Veränderungen bereits jetzt durchführen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC hat berechnet, was die Einführung der neuen Vorschriften in diesem Moment bedeuten würde. Im Einzelhandel würden sich die Schulden auf der Bilanz beispielsweise verdoppeln, die Bonität würde von 41 auf 27 Prozent sinken und die Schuldenquote von 1,1 auf das 2,5-fache des Betriebsergebnis steigen.

Eine Bedrohung? Ich sehe es eher als Chance, besonders für die Immobilienmanager. Es wird noch wichtiger, seine Immobilien kritisch zu kontrollieren und alternative Konzepte anzuwenden, beispielsweise durch die Verringerung der Menge an Immobilien und die Vergrößerung der Flexibilität dieser Immobilien. Darüber hinaus sind die neuen Vorschriften ein guter Antrieb dafür, Ordnung in die Systeme zu bringen. Die Verbindlichkeiten aus den Mietverträgen werden dann direkt in der Bilanz sichtbar.

Und gerade diese Transparenz ist die positive Note aus dem Erbe, das Lodewijk Pincoffs 1879 in Rotterdam hinterließ.

David Stillebroer
Director Product Management