Kundenportal customer-icon
19. März 2015

„Neues Arbeiten“ ist nachhaltig! Oder?

Zahlreiche Untersuchungen zum Thema „Neues Arbeiten“ kommen zu dem Ergebnis, dass Telearbeit zur Reduzierung von CO2-Emissionen beiträgt. Der wichtigste Grund dafür? Die Abnahme des Pendelverkehrs zwischen Wohung und Arbeitsstätte. Aber ist Arbeiten im Homeoffice wirklich so nachhaltig, wie wir denken?

Webinar - Mit FM-/RE-Technologien wettbewerbsfähig für den Digital Workplace bleiben

Fit für den Digital Workplace: Diese Technologien sind für Real Estate- und Facility Manager relevant.

Webinar anschauen

Auf den ersten Blick erscheint diese Arbeitsform einen großen Nachhaltigkeitseffekt zu haben. Je nachdem, welcher Anteil der Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit fährt, führt Telearbeit zu einer Reduzierung des Verbrauchs fossiler Kraftstoffe, des Schadstoffausstoßes, des Verkehrslärms und des Verkehrsaufkommens. Außerdem verringert sich durch die Telearbeit die benötigte Bürofläche, wodurch – wenn die Organisation zugleich eine Umstellung auf flexible Arbeitsplatzkonzepte vollzieht – auch eine Kostensenkung erzielt wird.

Aber gelten diese positiven Auswirkungen auch für Organisationen, bei denen die Mitarbeiter für den Arbeitsweg größtenteils das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen? Schließlich verursacht ihr Arbeitsweg keine zusätzlichen Treibhausgasemissionen. U-Bahnen und Züge fahren ja sowieso. Und wie steht es eigentlich mit den vielen Elektrofahrzeugen, die inzwischen auf dem Markt angeboten werden? Hat die Reduzierung des Pendelverkehrs eines Mitarbeiters, der im Besitz eines solchen energieeffizienten Autos ist, dieselben positiven Umweltauswirkungen?

Wenn ich selbst einen Tag zu Hause arbeite, läuft nebenher das Radio. Statt der 16 Grad, die im Büro herrschen, stelle ich die Heizung auf 21 Grad ein. In den dunklen Wintermonaten brauche ich außerdem zusätzliche Beleuchtung. Natürlich mache ich mir auch ab und zu eine schöne Tasse Kaffee, und in der Mittagspause schalte ich den Fernseher ein, um zu sehen, was in der Welt passiert. Meine Wohnung ist zwar nachhaltig: Ich habe Isolierglas, erzeuge Sonnenenergie und bewässere den Garten mit Grundwasser. Aber trotzdem ... Ist ein Tag im Homeoffice wirklich nachhaltiger als ein Tag im Büro? Mein Arbeitsplatz im Büro wird schließlich für die Kollegen, die weiterhin im Büro arbeiten, noch immer beheizt und beleuchtet. Die Kaffeemaschine im Büro ist den ganzen Tag über eingeschaltet. Und der Zug fährt auch, wenn ich nicht einsteige.

Vielleicht sollten wir vom Konzept des Neuen Arbeitens auf das Konzept des Nachhaltigen Arbeitens umsteigen. Beim Nachhaltigen Arbeiten wird nicht nur über orts- und zeitabhängige Arbeitsmethoden nachgedacht, sondern vor allem festgestellt, welches die nachhaltigsten Arbeitsmethoden sind.

Morgen fahre ich jedenfalls wieder nach Nimwegen ins Büro. Natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Sanne Oostendorp
Global Product Marketeer