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22. September 2016

Pokémon Go in der Praxis: vom alten zum neuen Denken

Was als geruhsamer Tag am Strand begann, endete in einem ziemlichen Chaos. Kürzlich war ich mit meinen Kindern gerade dabei, die schönste Sandburg aller Zeiten zu bauen, als plötzlich Hunderte von Menschen hysterisch auf uns zustürmten. Ohne sich um ihr Umfeld zu scheren, waren sie mit ihren Smartphones allesamt auf der Suche nach bestimmten Pokémon-Figuren, was das Ende unseres Sandkunstwerks bedeutete. In nur wenigen Monaten hat der Entwickler Niantic es geschafft, die große Masse für die Augmented Reality zu begeistern. Lässt dies vielleicht auch Rückschlüsse über die Akzeptanz dieser Technologie am Arbeitsplatz zu?

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Aufeinandertreffen der digitalen und realen Welt

Augmented Reality (AR) ist eine Technik, bei der eine digitale Schicht über die physische Welt gelegt wird. Man richtet beispielsweise die Kamera des Smartphones auf die Straße, und auf dem Bildschirm erscheint dann diese Straße zusammen mit einer digitalen Erweiterung. Bei Pokémon Go besteht diese zusätzliche Informationsschicht aus animierten Zeichentrickfiguren. AR wurde bereits 2005 im Hypecycle von Gartner erwähnt, aber zu einem wirklichen Durchbruch kam es damals nicht. Niantic scheint das nun aber erstmals gelungen zu sein.

Vom alten zum neuen Denken

Obwohl die Möglichkeiten der AR schon länger bekannt sind, ist man sich über ihren wirklichen Wert immer noch nicht einig. Um diesen Wert tatsächlich bestimmen zu können, sind zwei Blickwinkel möglich (das alte und das neue Denken), und das macht die Sache auch gleich für Innovationen am Arbeitsplatz interessant. Früher versuchte man vor allem, das „Problem“ zu ermitteln und eine Lösung dafür zu finden (das alte Denken): das Produkt hatte direkt einen konkreten Nutzen und damit auch einen Mehrwert.

Beim neuen Denken dagegen wird ein sogenanntes „Minimum Viable Product“ auf den Markt gebracht. Das ist eine Minimalversion des Produkts, die nur die unbedingt nötigen Funktionen bietet. Auf der Basis von Benutzererfahrungen wird das Produkt dann bei jeder neuen Version verbessert, bis letztlich ein stabiles Produkt mit entsprechendem Mehrwert entstanden ist. Diese Herangehensweise hat den Vorteil, dass immer wieder die neuesten Entwicklungen in die Vervollkommnung des Produkts einfließen können.

Der Mehrwert in der Praxis

Auf vergleichbare Weise kann die AR auch am Arbeitsplatz eingesetzt werden, beispielsweise im Wartungsmanagement oder bei der Planung und Ausstattung von Gebäuden. Die Technologie ist bereits da, und viele Organisationen untersuchen, ob auch sie einen Mehrwert daraus ziehen können. Was den Bereich des Facility Managements betrifft, gibt es bereits Sicherheitsfirmen, die ihren Mitarbeitern am Arbeitsplatz Google Glass zur Verfügung stellen, sowie Logistikbetriebe, die diese Technologie bei der Kommissionierung einsetzen. AR dient in erster Linie dazu, die Arbeit zu vereinfachen oder zu beschleunigen. Und das bietet dem Benutzer natürlich einen direkten, klaren Mehrwert.

Im Zuge des „neuen Denkens“ wird die Technologie stetig verbessert und um neue Funktionalitäten erweitert. Ebenso wie Pokémon Go fortwährend ausgebaut wird und immer mehr im Wert steigt, so gilt dies auch für Innovationen am Arbeitsplatz. Je länger wir eine Entwicklung nutzen, desto höher wird ihr Mehrwert.

Vielleicht bietet die nächste Version von Pokémon Go eine Funktion, die vor Sandburgen auf dem Weg warnt. Dann hätte das Spiel nicht nur einen Mehrwert für die begeisterten Spieler, sondern auch für mich und meinen Nachwuchs!

Geert-Jan Blom
Business Consultant Planon Netherlands