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23. Juni 2016

Produktivität vs. Hackordnungs

Ideen kommen von Menschen, nicht von Unternehmen – und die besten Ideen werden am schnellsten entwickelt, wenn Menschen frei kommunizieren und zusammenarbeiten können. Ein Arbeitsumfeld, das konzipiert wurde, um diese Interaktionsformen zu fördern, kann einen großen Beitrag zu einer Unternehmenskultur leisten, in der mehr Zusammenarbeit herrscht.

Artikel - Soziophysik

Dieser Artikel befasst sich mit Erkenntnissen aus dem Buch "Social Physics" von Prof. Alex Pentland und überträgt sie auf den Bereich Facility Management.

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In ihrem großartigen TED Talk stellt Margaret Heffernan eine Frage, die ihrer Meinung nach offensichtlich sein sollte: Wenn wir uns darüber bewusst sind, dass eine Kultur der Zusammenarbeit – eine Kultur, in der respektiert wird, dass jemand um Hilfe bittet oder diese anbietet – zu schnelleren Lösungen führt, warum setzen die meisten Organisationen immer noch auf eine von Wettbewerb geprägte „Hackordnung“?

Um diese von Wettbewerb geprägte, aggressive Hackordnung zu verdeutlichen, verweist Heffernan auf ein interessantes Experiment, das der Evolutionsbiologe William Muir zur Produktivität von Hühnern durchgeführt hat. Über sechs Generationen hinweg ließ Muir eine Hühnerherde alleine, und in einer anderen Herde züchtete er nur die produktivsten Hühner – diejenigen, die die meisten Eier legten. Indem er nur die produktivsten Hühner aus jeder Generation seiner „Super-Herde“ auswählte, hoffte Muir, „Super-Produktivität“ zu erreichen, vor allem im Vergleich zu der normalen Herde.

Nach sechs Generationen ging es der normalen Herde jedoch ganz gut – die Hühner waren gesund und ihre Produktivität florierte. Seine Super-Herde hatte sich dagegen auf nur drei Hühner reduziert. Die drei Top-Hühner hatten den Rest der Herde zu Tode gepickt und somit ihre individuelle Produktivität nur durch Unterdrückung und das buchstäbliche Auslöschen der Produktivität der restlichen Herde erreicht.

Zusammenarbeit vs. Hackordnung

„Wie spielt sich das also in der realen Welt ab?“” fragt Heffernan. An vielen Arbeitsplätzen werden die besten Mitarbeiter für ihre individuellen Erfolge belohnt. Heffernan setzt dem entgegen, dass sich Unternehmen stattdessen darauf konzentrieren sollten, soziales Kapital am Arbeitsplatz aufzubauen und somit den Schwerpunkt vom Einzelnen auf das Team zu verlagern, um eine bessere Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft am Arbeitsplatz zu fördern. Wie meine Kollegin in einem anderen Blog-Post betont hat, ist es wichtig, ein Umfeld zu schaffen, das den Mitarbeitern die Freiheit bietet, die sie benötigen, um über Ideen zu diskutieren und Innovationen zu schaffen. Die Ausstattung des Büros mit den richtigen kollaborativen Arbeitsplätzen und Sitzungsräumen in Bezug auf Größe, Privatsphäre, Verfügbarkeit und Flexibilität kann dabei helfen, die Teamarbeit und verstärkte Interaktionen zwischen den Mitarbeitern zu fördern, die im Gegenzug intelligenter und schneller arbeiten.

„Hilfsbereitschaft klingt zwar recht kraftlos, doch sie ist für erfolgreiche Teams unerlässlich und führt zu besseren Ergebnissen als individuelle Intelligenz“, so Heffernan. „Hilfsbereitschaft bedeutet, dass ich nicht alles wissen muss, ich muss lediglich mit Menschen zusammenarbeiten, die darin gut sind, Hilfe zu erhalten und anzubieten.“

Um eine bessere Grundlage für soziales Kapital im Büro zu schaffen, sollten sich Unternehmen auch tiefgreifender mit der Sozialphysik auseinandersetzen, die untersucht, wie Menschen miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Wenn man die Sozialphysik auf den Arbeitsplatz anwendet, scheint dies dazu zu führen, dass Menschen, die miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten, in der Regel eine bessere Leistung erzielen als diejenigen, die alleine arbeiten. Und die Menschen, die innerhalb UND außerhalb ihres Bekanntenkreises zusammenarbeiten, entwickeln die besten und vielfältigsten Ideen. Wenn beispielsweise einfach die Sitzordnung im Büro geändert wird, um abteilungsübergreifende Gespräche zu fördern, kann dies der entscheidende Faktor dafür sein, bessere Ideen hervorzubringen und schneller Lösungen zu finden.

Der Aufbau eines besseren sozialen Kapitals am Arbeitsplatz ist mehr als nur die Schaffung eines Umfelds der Hilfsbereitschaft. „Es bedeutet, dass das, was zwischen den Menschen passiert, wirklich zählt“, so Heffernan. „Denn in Gruppen, die gut aufeinander eingespielt sind und in denen sich die Mitglieder gegenseitig respektieren, können Ideen fließen und optimiert werden. Menschen geraten nicht ins Stocken. Sie verschwenden keine Energie für Dinge, die keine Zukunft haben.“

„Jahrelang haben wir gedacht, dass Führungskräfte heroische Einzelgänger seien, von denen erwartet wird, dass sie ganz alleine komplexe Probleme lösen“, so Heffernan. „Nun müssen wir Mitarbeiterführung als eine Aktivität neu definieren, bei der Bedingungen geschaffen werden, in denen jeder seine mutigsten Gedanken mit anderen teilen kann.“

Fred Guelen
COO and President North American Operations