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31. März 2016

Sind Sie intelligenter als ein intelligenter Zähler?

Seit mehr als einem Jahrzehnt befindet sich die Versorgungsindustrie in einer Phase des Übergangs. Aufgrund der umfassenden Einführung und Implementierung intelligenter Zähler, die den Verbrauch direkt zurück zum Versorgungsunternehmen übertragen, sodass ein Ablesen vor Ort nicht mehr erforderlich ist, können sich die Versorger jetzt noch höhere Ziele als jemals zuvor stecken. Und wir horchen auf, weil sich hieraus für alle Branchen gute Gelegenheiten ergeben.

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Intelligenter Zähler, intelligentes Smartphone, intelligentes Gebäudewas bedeutet „intelligent“ in diesem Zusammenhang?

Damit ein Zähler als „intelligent“ gelten kann, muss er mit dem Internet und dem Versorgungssystem verbunden sein und kontinuierlich Daten über seine Nutzung senden können. Ich stimme meinem Kollegen zu, dass hier nicht von „intelligent“ geredet werden sollte. Vielmehr sollten sie als eigenständig übertragende Zähler bezeichnet werden.

Haben Sie sich beispielsweise je gefragt, warum eine Windturbine sich nicht dreht, obwohl Sie wissen, dass es draußen windig ist? Eine Windturbine sendet kontinuierlich Daten zu dem in ihrem Erfassungsbereich herrschenden Wind. Je nach Windstärke kann eine Windturbine abgeschaltet werden, um Schäden zu vermeiden. Außerdem kann sie sich in Abhängigkeit von der jeweils benötigten Strommenge selbst anpassen und abschalten. Es gibt auch verbundene Parkhäuser, die mithilfe von Sensoren und Leuchten Autos zu freien Parkplätzen leiten. Sind in diesen Fällen die verbundenen, eigenständig übertragenden Geräte intelligent? Oder können wir einfach wegen der von ihnen bereitgestellten Daten intelligentere Abschätzungen vornehmen und schneller Maßnahmen ergreifen?

Verglichen mit herkömmlichen Zählern ist das selbsttätige Senden von Nutzungsdaten definitiv „intelligent“ und sie sind sicherlich insofern praktisch und hilfreich, als dass niemand mehr bei Schmuddelwetter persönlich zum Ablesen erscheinen muss.

Intelligente Systeme

Wenn wir den Begriff „intelligenter Zähler“ jetzt hinter uns lassen und von intelligenten Geräten sprechen, meinen wir grundsätzlich etwas mehr. Der Begriff „intelligent“ umfasst mehr als nur eine Verbindung und die Fähigkeit, Daten zu sammeln und zu übertragen; vielmehr enthält er die Fähigkeit, Daten zu interpretieren und anzupassen.

Wenn also ein Gerät Nutzungsdaten erfassen kann, wäre ein intelligentes Gerät in der Lage, Nutzungsmuster zu erkennen und seine Funktion entsprechend anzupassen. Diesen Vorgang könnte man als Lernen bezeichnen, doch gehört dieser Begriff in die Welt des Menschen. Wie können wir ihn auf Messgeräte und Maschinen anwenden?

Ihr Smartphone kann ebenfalls riesige Datenmengen erfassen, so auch über alle Orte, an denen es sich befindet, und Karten- und Positionsanwendungen können sich an diese Daten anpassen. Wenn Suchmaschinen und Kartenanwendungen Orte vorschlagen oder Wörter vervollständigen, wenn Sie eine Frage eingeben, ziehen Sie Nutzen daraus, dass Ihr Smartphone Daten erfasst, Nutzungsmuster erkennt und sich an sie anpasst.

Wenn wir uns die Interpretation von Daten durch unsere intelligenten Geräte genauer ansehen, gelangen wir von den Geräten selbst zu der Software und den Anwendungen, die die Interpretation von Daten ermöglichen. Hier wird es für alle Branchen so richtig interessant.

Im Falle von Verbrauchszählern sind es nicht so sehr die Zähler, die intelligent geworden sind. Vielmehr ist es das Versorgungssystem, das Netzwerk aus Produktion und Verbrauch, das den Bedarf erkennt, Produktionseinrichtungen ein- und ausschaltet, Speicherentscheidungen trifft, die Verfügbarkeit und den Preis anpasst usw.

Wie weit wollen wir gehen?

Es ist ein Bild, dass erst im Begriff ist, Gestalt anzunehmen. Wenn nicht alle Zähler und Geräte in den Daten, die sie jetzt erfassen, die Muster erkennen, dann werden sie doch schon bald dazu in der Lage sein. In der Regel kommen Innovationen zuerst bei den Verbrauchern und in den Haushalten an. Es gibt zahlreiche Beispiele für die Innovation bei Geräten, die Daten interpretieren und sich an sie anpassen können. Es gibt Lampen, mit denen Sie mithilfe von Einstellungen und Farben, die Sie mit Ihrem Smartphone steuern können, Ihre ganz persönliche Beleuchtungswelt schaffen können, wie etwa Philips Hue Lighting. Es gibt Thermostate, wie etwa von der Firma Nest, die Bewegungen erfassen und Muster in Ihrem Energieverbrauch erkennen und die Temperatur selbstständig einstellen können.

Darüber hinaus gibt es interessante Geschäftskonzepte, die im Rahmen der weitergehenden Vernetzung von Gebäuden und Städten entwickelt und getestet werden. Unlängst wurde in den Raum gestellt, dass Straßenlaternen nach Gebäuden zu den wichtigsten städtischen Einrichtungen werden könnten, weil sie sich aufgrund ihrer Position, ihres regelmäßigen Abstands usw. ideal zum Erfassen von Informationen zum Fußgänger- und Fahrzeugverkehr, zu Bewegungsmustern, zur Einwohnerdichte einzelner Straßen usw. eignen. Wie bei allen neuen Technologien, ergeben sich unbegrenzte Möglichkeiten, wenn wir Funktionen, die zuvor manuell ausgeführt wurden, automatisieren.

David Karpook
Vice President of Operations, North America