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09. September 2014

Softwareentwicklung ist wie Hausbau

Häuser bauen wir schon seit Menschengedenken. Mit dem Bau – oder der Entwicklung – von Software dagegen befassen wir uns erst seit wenigen Jahrzehnten. Trotz ihres Altersunterschieds haben die beiden Disziplinen mehr gemein als man vielleicht denkt. Darum ziehe ich auch oft Parallelen zum Bauwesen, wenn ich über „User Experience Design“ spreche.

White Paper - Was sind IWMS & CAFM

Was sind IWMS und CAFM? Was ist der Nutzen? Wer nutzt es? Und welche Auswahlkriterien sind wichtig? Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen.

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Ein Haus ist eine Sammlung von Elementen mit jeweils einer bestimmten Funktion: Die Wände trennen Räume voneinander, die Türen dienen als Ein- und Ausgang, die Fenster lassen Tageslicht herein und das Dach schützt vor Regen und Wind.

Ihren Zweck erfüllen werden aber all die verschiedenen Elemente erst, wenn sie – auch im Verhältnis zueinander – logisch angeordnet sind. Ein Architekt orientiert sich beim Entwurf daran, wer das Haus künftig bewohnen und wie er es einrichten und nutzen wird. Wichtig ist zum Beispiel, die Räume möglichst effizient einzuteilen und die Fenster so anzuordnen, dass der Bewohner am meisten davon hat.

Gleiches gilt für die Entwicklung von Softwareanwendungen. In den Anfängen der Softwareentwicklung stand die Funktionalität im Mittelpunkt, die dem Benutzer einen konkreten Mehrwert bietet – wie das Dach, das die Bewohner trocken hält. Inzwischen aber ist auch das Nutzungserlebnis ein wichtiges Verkaufsargument, und das umfasst weitaus mehr als eine Sammlung einzelner Funktionalitäten.

Vertreter neuer Disziplinen wie interaktives Design, Grafikdesign und Software-Ergonomie hinterfragen,

  • welches Ziel eine Benutzergruppe mit einer bestimmten Anwendung verfolgt?
  • mit welchen Aktionen und Reaktionen des Systems sich dieses Ziel auf möglichst komfortable Weise erreichen lässt und
  • inwieweit Funktionalität, visuelle Gestaltung und Sprache der Benutzerschnittstelle zu einem positiven Nutzungserlebnis beitragen können?

Diese Herangehensweise, in deren Mittelpunkt der Benutzer und das Design der Benutzeroberfläche stehen, basiert auf einem Trend, der auch als „Nutzerzentriertes Design“ bekannt ist. Infolge des Siegeszugs mobiler Apps und Webanwendungen wie Google Docs und Gmail sind die Benutzer heute mehr denn je an sehr einfach zu bedienende Lösungen gewöhnt. Wurde Software noch vor zehn Jahren mit einem Benutzerhandbuch oder intensivem Schulungsmodul ausgeliefert, so kommt es heute vor allem darauf an, dass Programme und Apps – auch für den Business-Bereich – benutzerfreundlich und sofort einsatzbereit sind.

Um wieder eine Parallele zum Hausbau zu ziehen: Man erwartet, dass Küche und Esszimmer nebeneinander liegen. Und der Waschmaschinenanschluss sollte sich möglichst im Bad oder in der Waschküche befinden, nicht im Wohnzimmer.

In vergleichbarer Weise müssen auch Entwicklerteams – schon früh in der Entwurfsphase – darüber nachdenken, was der Benutzer braucht und wozu er die Software einsetzen wird. Es wäre sinnlos, zunächst einmal die Funktionalität zu entwickeln und erst danach das Gesamtkonzept. Hier gilt dasselbe wie bei der Installation von Trink- oder Abwasserleitungen: Anordnung und Ausführung hängen in wesentlichem Maße von der Funktion des betreffenden Gebäudes ab.

Dieser Vergleich lässt sich auch auf die verschiedenen Niveaus des „Nutzerinteraktions-Design“ übertragen. Neben der Funktion eines Raums oder der geplanten Nutzung gilt es natürlich auch zu beachten, dass er nicht gestrichen oder tapeziert werden kann, bevor die Wände stehen. Ebenso hängt auch das Look & Feel einer Benutzeroberfläche von der Funktionalität der Software und der Art und Weise ihrer Nutzung ab.

„Nutzerzentriertes Design“ erfordert also eine gute Kenntnis des Benutzers. Darum ist es wichtig, verschiedene Anwendergruppen zu definieren, denn nicht jeder verwendet dieselbe Software auf dieselbe Weise. Indem die Benutzer schon in einem frühen Stadium in den (Entwurfs-)Prozess einbezogen werden, können ihre Bedürfnisse optimal berücksichtigt werden.

Auf dieser Basis wurde Planon Accelerator 6.0 entwickelt. Das Planon-Team von User-Experience-Designern und -Entwicklern hat den Entwurf und die Nutzerfreundlichkeit der Software eingehend bewertet und zahlreiche Verbesserungen vorgenommen. Damit sozusagen der Bewohner nicht zurück zur Haustür gehen muss, um den Lichtschalter für das Badezimmer zu finden, wurden verschiedene Menüfunktionen an einer logischeren Stelle untergebracht. Dadurch ist die neueste Version der Planon-Software noch intuitiver und bedienungsfreundlicher als ihre Vorgänger. Für verschiedene Benutzergruppen wurde jeweils eine eigene Startseite entworfen: Selfservice-Benutzern wird eine andere Schnittstelle präsentiert als Experten. So gelangt jeder durch eine eigene „Haustür“ in das Programm, die direkt zu dem Raum mit den benötigten Funktionen führt.

In der Basis ist Planon Accelerator das flexible und technisch ausgereifte CAFM System geblieben, das den Benutzern seit langem vertraut ist. Die neue Benutzeroberfläche jedoch sorgt nicht nur dafür, dass die Anwender das Potenzial der Software optimal ausschöpfen können, sondern sie sieht auch noch attraktiv aus – ganz wie man es vom Gebäude eines Architekten erwartet.

Robert Eijlander
Product Manager User Experience Design