Kundenportal customer-icon
28. März 2019

Was, wenn Wartungsroboter Schäden verursachen?

Angenommen, ein Roboter soll Immobilien oder gebäudegebundene Installationen warten, macht aber bei seiner Arbeit etwas kaputt. Wer trägt dann die Verantwortung? Da heute immer häufiger Roboter professionell eingesetzt werden, wird diese Frage aktuell. Während sich die Debatte bislang vor allem um die Gefahren der künstlichen Intelligenz drehte und dadurch hypothetisch und spekulativ blieb, stehen inzwischen immer häufiger die konkreten Risiken des Einsatzes von Robotern im Mittelpunkt. Wer ist haftbar, wenn ein Roboter im Einsatz etwas beschädigt?

White Paper - Die Instandhaltung der Instandhaltungsstrategie

Warum Gebäudeinstandhaltung? Mit welchen Methoden? Und warum muss auch die Strategie gewartet werden? In diesem White Paper erfahren Sie es. 

Mehr lesen

Möglichkeiten und Grenzen des Wartungseinsatzes von Robotern

In einem früheren Blog prognostizierte ich, dass der Einsatz von Robotern zu unserer Unterstützung bei komplexen Aufgaben immer näher rückt. Mit dem Einsatz von Sensortechnik, Robotik und Simulationen bei Inspektionen, Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten lässt sich schließlich viel Geld sparen. Es ist also nicht mehr die Frage ob, sondern wann sich dies bewahrheiten wird. Inzwischen untersuchen schon viele Organisationen die konkreten Anwendungsmöglichkeiten für Roboter, sowie die damit verbundenen Möglichkeiten und Gefahren.

Sogar Google mischt mit und facht die Diskussion durch Vorstellung eines Reinigungsroboters weiter an. Im Paper „Concrete Problems in AI Safety“ (Konkrete Probleme in der KI-Sicherheit) führt das Forscherteam von Google fünf praktische Probleme an:

  1. Was, wenn ein Roboter zwar seine Aufgabe erledigt, dabei aber z. B. eine Vase herunterwirft?
  2. Was, wenn ein Roboter den Erhalt einer Belohnung wichtiger findet als die Ausführung seiner Aufgaben, etwa indem er einen Kehrichthaufen nicht aufräumt, sondern zudeckt?
  3. Was, wenn ein Roboter immer wieder dieselben Instruktionen verlangt und seine Aufgaben nicht an die Anweisungen des Menschen anpasst?
  4. Was, wenn Roboter nicht vorsichtig genug sind und beispielsweise mit einem nassen Putzlappen die Steckdose auswischen?
  5. Was, wenn sich Roboter nicht an Umgebungen anpassen, die sich leicht von den ihnen bekannten Umgebungen unterscheiden?

Wer trägt die Verantwortung?

Je mehr Aufgaben Roboter übernehmen können, desto mehr solcher Fragen werden sich stellen. Dabei arbeiten Roboter immer autonomer, was wiederrum Implikationen auf dem Gebiet der rechtlichen Haftung mit sich bringt. Momentan ist nämlich im Gesetz festgelegt, dass nur Personen Straftaten begehen können. In der Debatte über selbstfahrende Autos zeichnet sich ein Trend dahin gehend ab, dass auch der Halter oder Fahrer haftbar gemacht werden kann, ebenso wie es beispielsweise bei Tieren möglich ist. Was bedeutet das für Roboter, die Wartungs- oder Reinigungsarbeiten durchführen?

Es ist durchaus vorstellbar, dass Roboter in Kürze auch selbst Entscheidungen treffen müssen. Ist ein Roboter in der Lage, Risiken einzuschätzen und sich ein Urteil darüber zu bilden? Ist es beispielsweise legitim, eine Vase herunterzuwerfen, wenn dadurch die betreffende Stelle besser saubergemacht werden kann? Und was, wenn Menschen verletzt werden?

Ich meine, dass das menschliche Auge weitaus besser als ein Roboter in der Lage ist, diese Art von Einschätzungen vorzunehmen. Darum glaube ich, dass wir eine Situation anstreben sollten, in der Roboter in solchen Dilemmasituationen die Hilfe eines Menschen anfordern, um ein Urteil zu fällen. Dann stünde auch fest, dass der Mensch, der die Entscheidung getroffen hat, die Verantwortung trägt. Dies ist eine praktische Lösung für ein praktisches Problem. Der vollständig autonome Roboter existiert nämlich noch lange nicht, und darum ist es auch noch gar nicht nötig, jetzt schon eine Lösung dafür zu finden.

Nico van Dijk
Produkt Manager Maintenance Management