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08. August 2019

Welche Methode sollten Sie nutzen, wenn Sie Leasingdaten für die IFRS 16-Compliance erfassen?

Börsennotierte Unternehmen, die noch nicht IFRS 16-konform sind, sollten die neuen Regeln für die Leasingbilanzierung aktiv umzusetzen. Der neue Standard - geschaffen vom International Accounting Standards Board (IASB) zur Erhöhung der Transparenz - besagt, dass alle Leasingverträge in der Bilanz ausgewiesen werden müssen. Wie ich in "Getting from here to there: The steps to transition from IAS 17 to IFRS 16" schreibe, wird dieser Standard einen wesentlichen Einfluss auf die Finanzberichterstattung haben. 

Fallstudie - TIP

TIP: "Termin- und budgetgerechte IFRS 16 Leasingbilanzierung mit Planon Universe unter Einhaltung der geltenden Gesetze und Richtlinien“ 

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Erhebliche Auswirkungen

Die Umsetzung des neuen Standards erfordert Zeit, Geld und Energie. Schließlich müssen Leasingverträge gesammelt und die Zahlen richtig interpretiert, aggregiert und bearbeitet werden. Unternehmen, die mit der Implementierung beginnen, müssen daher eine wichtige Entscheidung treffen: Sie müssen überlegen, welche Methode für die Erfassung von Leasingdaten verwendet werden soll.

Börsennotierte Unternehmen haben dabei zwei Möglichkeiten:

  1. der vollständige retrospektive Ansatz (Full Retrospective Approach - FRA)
  2. der modifizierte retrospektive Ansatz (Modified Retrospective Approach - MRA)

Aber was ist der Unterschied zwischen den beiden? Basierend auf welchen Argumenten trifft ein Unternehmen seine Wahl? Und wie kann eine Organisation den Übergang auf IFRS 16 von einer Notwendigkeit zu einer Chance machen?

FRA und MRA

Kurz gesagt, der FRA ist eine umfassendere Version des MRA. Der FRA verwaltet die Leasingverträge, als wäre IFRS 16 von Anfang an genutzt worden. Das bedeutet, dass alle Daten aus bestehenden Verträgen rekonstruiert und in das System eingegeben werden müssen. In der Tat wird es so aussehen, als hätten Sie jahrelang Schattenkonten geführt.

Der FRA ist daher ein zeit- und geldintensiver Prozess, da sich viele Verträge während ihres Lebenszyklus geändert haben, z. B. durch Änderung von Leasingraten, Verkürzung oder Verlängerung des Vertrags, Nutzung einer enthaltenen Option, Indexierung und Neubewertung der Leasingobjekte. Das alles muss berücksichtigt werden.

Für den MRA sind die Datenanforderungen weniger anspruchsvoll. Mit dieser Methode wurde IFRS 16 zum 1. Januar 2019 wirksam. Ab diesem Zeitpunkt nahmen sie alle Leasingverträge in die Bilanz auf. Der Finanzmanager muss dabei nur prüfen, welche Verträge zum Zeitpunkt der Einführung von IFRS 16 aktiv sind und die Daten korrekt migrieren.

Vergleichbare Zahlen

Der MRA ist einfacher, kostengünstiger und weniger energieaufwändig. Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmen diese Option automatisch wählen sollten. Der Hauptnachteil dieser Methode besteht darin, dass Sie keine vergleichbaren Zahlen haben, weil Sie in der Vergangenheit die Leasingbeträge aus der Bilanz herausgerechnet haben. Wenn Vergleichszahlen nicht berücksichtigt werden können, haben die Informationen für die Nutzer des Geschäftsberichts weniger Wert.

Die beste Methode hängt vom Ehrgeiz des Unternehmens selbst und davon ab, wie die Außenwelt ihren Jahresbericht lesen wird. Wenn es für Stakeholder, Analysten, Investoren, Medien und Banken beispielsweise wichtig ist, die Zahlen vergleichen und verstehen zu können, ist es besser, sich für die umfassende FRA-Methode zu entscheiden.

Es ist wichtig, Menschen einzubeziehen, die sich mit dem neuen Standard im Designprozess auseinandersetzen müssen. Denken Sie an den Chief Financial Officer (CFO) und die Buchhaltung. Es hängt auch stark davon ab, wie viele Leasingverträge überprüft werden müssen. Gibt es Hunderte oder Zehntausende von ihnen? Wird alles einheitlich und digital aufgezeichnet? Ist der MRA angemessener, um schnell compliant zu werden?

Chancen können entstehen

Ich rate Ihnen, sich für eine Methode zu entscheiden. Beginnen Sie nicht mit dem MRA und wechseln Sie später zum FRA. Das kostet nur zusätzliche Zeit, Geld und Mühe. Das Argument, sich beide Möglichkeiten offenhalten zu wollen, macht wenig Sinn.

Abschließend möchte ich betonen, dass trotz der Tatsache, dass IFRS 16 für viele Unternehmen eine Verpflichtung ist, sich auch Chancen aus dem neuen Berichtsstandard ergeben. Mit IFRS 16 werden Sie Leasingverträge strukturiert erstellen und den Geschäftswert besser abrufen können. Schließlich ist es einfacher, Verträge zu vergleichen und die Anzahl der Leasinggeber zu betrachten. Welche Verträge erweisen sich als am günstigsten für Sie? Könnte es vorteilhaft sein, die Anzahl der Leasinggeber zu reduzieren, damit Sie als größerer Käufer mehr Verhandlungsmacht haben?

Unabhängig davon, ob sich ein Unternehmen für den FRA oder den MRA entscheidet, durch die Strukturierung der Zahlen können Vorteile erzielt werden. In diesem Fall wird IFRS 16 nicht mehr nur als Notwendigkeit, sondern auch als Chance erscheinen.

Erfahren Sie mehr darüber, was Sie bei der Umsetzung von IFRS 16 beachten sollten, und laden Sie das gemeinsame White Paper von Accenture und Planon herunter.

Marco Folpmers
Managing Director Finance & Risk bei Accenture