05. März 2020

Wer kümmert sich um das Internet der Dinge für Gebäude – Facility Management oder IT?

Im letzten Jahr stellte mein Kollege David Karpook die Frage „Wer soll für das Internet der Dinge in Gebäuden verantwortlich sein?“ Sein Ziel war es, ein besseres Verständnis der organisatorischen Folgen der Digitalisierung von Gebäuden für das Immobilien- und Facility Management zu erhalten. In seinem Blog hat er treffend formuliert, dass sich Rolle und Know-how in Bezug auf Immobilien- und Facility Management ändern würden und müssen. Damit müsse es mehr um die Verwaltung der digitalen Infrastruktur eines Gebäudes gehen als nur um das Verwalten der physischen Infrastruktur.

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Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Phänomen „Zeit“ in unserer technologischen Welt einem anderen Takt folgt als der Rest der Welt: einem sehr viel schnelleren. Ich glaube, es ist an der Zeit, die Beobachtungen und Fragen zu überdenken, die David Karpook im letzten Jahr gepostet hat.

Fangen wir an.

Erweiterte Funktionen, um mit dem IoT Schritt zu halten

Wir sehen, wie Proptech außerhalb der Bereiche um IoT eine Rolle zu spielen beginnt, und dass anspruchsvolle Analytikanwendungen und künstliche Intelligenz (KI) auf Geräteebene zugänglich und verfügbar werden. Apropos KI auf Geräteebene:, es ist interessant, dass Apple im Januar dieses Jahres das Unternehmen Xnor.ai erworben hat, das energiesparende, Edge-basierte* KI-Tools entwickelt. Das Unternehmen ist auf Technologien spezialisiert, die dafür sorgen, dass KI-Anwendungen lokal in Geräten installiert werden können, sodass diese nicht länger von einer zentralen KI-Anwendung im Netzwerk abhängig sind. Auf diese Weise können die vom Gerät generierten Daten von KI-Anwendungen lokal verarbeitet werden, was die Geräte wirklich „intelligent“ macht.

Eine interessante Anwendung im Bereich des Immobilien- und Facility Managements könnte ein Kamerasensor sei, der identifiziert, wie viele Personen sich in einem Raum befinden oder ob ein Schreibtisch tatsächlich besetzt ist.

Wenn wir uns diese Entwicklungen in Bezug auf das Internet der Dinge für Gebäude ansehen, ist die Frage, wer verantwortlich ist, keine Entweder-oder-Frage mehr. Beispielsweise müssen sich Asset-Spezialisten in unserer Branche die IT-Fertigkeiten aneignen, die für das Verständnis der Implementierung erforderlich sind. Sie müssen verstehen, wie beispielsweise Sensoren, die mit dem Internet der Dinge verbunden sind, funktionieren und wie diese neuen Asset-Generationen instand zu halten sind. Die Aufgabe der Fachleute ist dann zweigeteilt: einmal der deutliche IT-Bezug und dann der Bezug zu Asset-Aktivitäten.

Dies macht deutlich, wie unglaublich interessant und herausfordernd neue Stellen in unserer Branche sein werden, sowohl für erfahrene, aufgeschlossene Fachleute als auch junge Kräfte, die im Bereich Facility Management erste Erfahrungen sammeln.

Wer ist verantwortlich, wenn mehrere Abteilungen betroffen sind?

David Karpook vertritt bei dieser Frage in seiner Blog-Reihe über das Internet der Dinge in Gebäuden einen klaren Standpunkt. Er diskutiert die Veränderung der Beziehungen zwischen Fachleuten des Immobilien- und Facility Managements und der COO- und der CIO-Abteilung.

Da Proptech sich auf andere Bereiche ausdehnt und die Digitalisierung von gebäudebezogenen Assets ein neues Niveau erreicht, müssen wir auch wissen, was dies für die IT-Funktion in Unternehmen bedeutet.

Die CIO-Welt und die der entsprechenden IT-Abteilungen werden hauptsächlich von Netzwerken und Anwendungen/Anwendungsplattformen definiert, die allesamt in Cloud- und anderen Verarbeitungsumgebungen laufen. Integrale Elemente sind hier natürlich Sicherheits- und Datenschutz-Toolsets.
In dieser Welt haben IT-Abteilungen typischerweise die vollständige Kontrolle über diese Umgebungen, und das (Veränderungs-)Management ist eine rein virtuelle Aktivität, da Software leicht innerhalb der IT-Infrastruktur aktualisiert oder umverteilt werden kann. Kein Problem.

Diese Kontrolle ändert sich jedoch grundlegend, wenn „Anwendungen“ untrennbar mit Geräten verbunden sind, die Funktionen in der Gebäudeinfrastruktur erfüllen, die nichts mit IT zu tun haben. Denken Sie beispielsweise in dem oben genannten Beispiel mit dem intelligenten Kamerasensor an HVAC-Systeme einer zukünftigen Generation, die KI auf Geräteebene mit der Echtzeitreglung von Temperatur und Klima in einem Gebäude kombinieren.

In dieser neuen „verbundenen Welt“ ist die IT-Funktion nicht länger in der Lage, die IT-Infrastruktur allein zu verwalten, und es fehlen Einblicke in die Folgen für den physischen Bereich, wenn Interventionen auf der digitalen Seite dieser Assets stattfinden. Demnach ändert sich nicht nur die FM-Funktion, die IT-Funktion ist gleichermaßen betroffen. Wenn wir den Blick in die Zukunft werfen und schauen wie wir diese „verbundenen Infrastrukturen“ verwalten sollen, könnte die reine IT-Funktion für die Schaffung einer IT-Landschaft (einschließlich Standardisierungsregeln und Anforderungen an Technologiestandards) verantwortlich sein, die es FM-Fachleuten ermöglicht, auf sichere und produktive Weise neue Generationen äußerst intelligenter Assets auszuwählen, zu implementieren und zu nutzen, die zu den von den IT-Kollegen geschaffenen IT-Landschaften passen.

In jedem Fall ist es für zukünftige Entwicklungen von großer Bedeutung, dass ein grundlegendes Gespräch über die Beziehungen zwischen der IT-Funktion und der Immobilien-/Facility Management-Funktion eines Unternehmens geführt wird – nicht nur hinsichtlich der beiden Unternehmensfunktionen selbst, sondern auch um Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Erik Jaspers
Global Product Strategy & Innovation Director

*Edge-Computing ist ein Paradigma der verteilten Datenverarbeitung, das die Berechnung und Datenspeicherung näher an die Geräte bringt, auf denen die Daten gesammelt werden.