Einleitung: Warum KI gerade jetzt relevant ist
Künstliche Intelligenz ist derzeit überall präsent. Auf Branchenevents, in Fachmedien und in nahezu jeder strategischen Diskussion scheint KI das dominierende Thema zu sein. Gleichzeitig fragen sich viele Unternehmen: Was davon ist echter Mehrwert – und was bleibt reiner Hype?
Gerade im Immobilien- und Facility Management stehen Organisationen unter wachsendem Druck. Steigende Betriebskosten, Fachkräftemangel und immer strengere ESG- und Compliance-Anforderungen verlangen nach effizienteren, datenbasierten Entscheidungen. Genau hier kann KI einen entscheidenden Beitrag leisten – wenn sie richtig eingesetzt wird.
Von Einzeltools zur unternehmensweiten KI-Nutzung
2025 wurde vielfach als das Jahr der KI-Agenten bezeichnet. Tools wie ChatGPT oder Copilot haben längst den Schritt aus der rein persönlichen Nutzung in den Unternehmensalltag geschafft. Funktionen wie KI-gestützte Transkriptionen in Microsoft Teams oder Googles AI Mode zeigen, wie schnell KI produktiv eingesetzt werden kann.
Mit diesen Erfolgen wächst auch die Erwartungshaltung des Managements: KI soll nicht nur unterstützen, sondern fester Bestandteil der Unternehmensstrategie werden. Doch je größer die Verbreitung, desto deutlicher werden auch die Risiken – insbesondere in Bezug auf Sicherheit, Governance und Datenqualität.
KI ist kein Wundermittel – und genau darin liegt ihre Stärke
So groß das Potenzial von KI im Immobilien- und Facility Management ist, eines ist klar:
KI behebt keine strukturellen Probleme auf Knopfdruck. .
Schlechte Datenqualität, unklare Prozesse oder historisch gewachsene Systemlandschaften lassen sich nicht einfach „wegautomatisieren“. Im Gegenteil: KI macht bestehende Schwächen schneller sichtbar – und im Zweifel auch schneller wirksam.
Unternehmen, die von KI profitieren wollen, brauchen:
- eine verlässliche Datenbasis,
- klar definierte Prozesse,
- und IT-Teams, die Sicherheit, Governance und Schulung aktiv begleiten.
KI sollte daher nicht als weiteres Feature betrachtet werden, das man einfach aktiviert. Sie steht für einen grundlegenden Wandel in der Art, wie Organisationen arbeiten und Entscheidungen treffen.
KI als Rahmenwerk – nicht als Zusatzfunktion
Für Immobilien- und Facility-Management-Teams ist eine Erkenntnis besonders wichtig:
KI ist kein einzelnes Modul – sie wird das operative Arbeiten der nächsten Jahre prägen.
Statt KI isoliert zu betrachten, sollte sie als integrativer Ansatz verstanden werden, der tief in bestehende Prozesse eingebettet ist. Das bedeutet aber auch: Niemand muss sofort alles umstellen.
Viele Organisationen – und auch viele Softwareanbieter – befinden sich aktuell noch auf dem Lernweg. Das ist völlig normal. Entscheidend ist, das Thema aktiv zu gestalten und konkrete Anwendungsfälle in den Fokus zu rücken.
AppsCRE, LLC hat auf LinkedIn eine interessante Diskussion über die Konvergenz des KI-Reifegrads zwischen Technologieeinkäufern und -anbietern gestartet und dieses Diagramm veröffentlicht.
Dieses Diagramm von AppsCRE, LLC untersucht die KI-Reife im Bereich CRE Tech sowohl aus der Perspektive der Käufer- als auch der Anbieterreife.
Erst die Grundlagen klären – dann KI einsetzen
Bevor KI als generische Fähigkeit eingeführt wird, sollte sie an den Systemen ansetzen, die den Gebäudebetrieb tatsächlich steuern. Im Immobilien- und Facility Management geht es weniger um die Frage, ob man KI einsetzen möchte, sondern ob die Voraussetzungen dafür stimmen.
Konkret heißt das:
- Sind BMS/BAS-, CMMS-, IWMS- sowie Energie- und Zählerinformationen sauber integriert?
- Sind Assets systemübergreifend eindeutig benannt?
- Lassen sich Arbeitsaufträge strukturiert auswerten?
- Ist die Zuordnung von Energieverbräuchen zu Flächen und Nutzungen nachvollziehbar?
Wenn diese Grundlagen fehlen, wird KI keine Klarheit schaffen – sondern Unschärfen lediglich schneller reproduzieren. Die gute Nachricht: Perfekte Daten sind nicht notwendig. Was es braucht, ist ein klarer Startpunkt.
Drei Fragen, die über den Erfolg von KI entscheiden
Um KI so einzusetzen, dass sie messbaren und wiederholbaren Mehrwert liefert, sollten Unternehmen intern drei zentrale Fragen klären:
Wo liegen unsere Daten?
Welche Systeme enthalten heute relevante Informationen?
Zum Beispiel:- BMS / BAS
- IWMS
- HR- und Finanzsysteme
- Sensoren und Energiezähler
Welche Probleme wollen wir konkret lösen?
KI entfaltet ihren Nutzen dort, wo sie reale operative Herausforderungen adressiert. Im RE & FM zeigen sich bereits heute starke Anwendungsfelder, unter anderem:- Vorausschauende Instandhaltung
- Komfort- und Raumklimasteuerung
- Energiemanagement und Lastprognosen
- Analyse der Flächennutzung
- Steigerung der operativen Effizienz
- Förderung des Mitarbeiterwohlbefindens
Wer nutzt die Ergebnisse – und handelt danach?
- Wer interpretiert die KI-Erkenntnisse?
- Wer vertraut ihnen?
- Und wer ist tatsächlich in der Lage, daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten?
Der nächste Schritt: Vom Konzept zum Pilotprojekt
Wenn Ihre Teams diese Fragen klar beantworten können, ist der wichtigste Schritt bereits getan. Sie wissen dann, wo KI ansetzen soll – und wo nicht. Gleichzeitig schaffen Sie damit die Grundlage, um KI gezielt in Ausschreibungen (RFPs und RFQs) zu berücksichtigen.
Im nächsten Beitrag dieser Serie zeigen wir:
- eine praxisnahe KI-Readiness-Checkliste
- sowie vier konkrete Schritte, mit denen sich innerhalb von 90 Tagen ein KI-Pilotprojekt starten lässt.
Bleiben Sie dran für Teil 2 unserer Serie „KI im Immobilien- und Facility Management“.