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30. November 2017

Großbritannien und die Unternehmenskultur der „ständigen Bereitschaft“

In einer früheren Blog-Reihe haben wir anhand internationaler Forschungsergebnisse aufgezeigt, wie sich das geografische Umfeld und die Kultur auf die Erwartungen an das Arbeitsumfeld auswirken. Wir berichteten, dass Europäer bei Workplace-bedingten Veränderungen eher zurückhaltend sind, während MitarbeiterInnen im Asien-Pazifik-Raum Veränderungen am positivsten gegenüberstehen.

Aber wie sehen das eigentlich die MitarbeiterInnen in unseren weltweiten Niederlassungen? Wir haben Sie gefragt. In diesem Blogbeitrag, dem ersten in unserer Reihe „Workplace im Wandel - der Ländervergleich“, teilt Christine Houghton, UK Sales Director bei Planon, ihre Ansichten zu diesem Thema aus Sicht des Vereinigten Königreichs. 

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Leben in einer Kultur der „fast ständigen Bereitschaft“

Einer der großen Unterschiede zwischen Großbritannien und anderen europäischen Ländern ist, dass im Vereinigten Königreich eine Unternehmenskultur des „immer beschäftigt sein“ herrscht. Bei meinen Besuchen in den Niederlanden habe ich festgestellt, dass es dort üblicher ist, eine Pause einzulegen, um sich hinzusetzen und beispielsweise in Ruhe zu Mittag zu essen. Im Vereinigten Königreich hingegen geht die Tendenz dahin, dass man kurz rausgeht, sich etwas zu essen holt und dann wieder an den Schreibtisch zurückkehrt. Einige Unternehmen in Großbritannien haben Kantinen eingerichtet, wovon die Beschäftigten zwar profitieren, aber im Großen und Ganzen sind wir eher daran gewöhnt, an unseren Schreibtischen Mittagspause zu machen. Natürlich scheint es besser und gesünder zu sein, sich eine Auszeit zu nehmen oder mittags eine Pause einzulegen, aber im Allgemeinen ist die hiesige Kultur nicht dafür ausgelegt.

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie die Arbeitswelt im Vereinigten Königreich gestaltet ist. Meiner Meinung nach leben wir in einer Kultur der „fast ständigen Bereitschaft“. So wird zum Beispiel von leitenden Angestellten erwartet, teilweise auch abends zur Verfügung zu stehen.

Hier im Vereinigten Königreich nehmen wir auch zur Kenntnis, dass es für die Planon-MitarbeiterInnen in der niederländischen Zentrale durchaus üblich ist, sich für eine Vier-Tage-Woche zu entscheiden. Das ist im Vereinigten Königreich undenkbar, es sei denn, Ihr Job wird offiziell als Teilzeitbeschäftigung eingestuft. Im Vereinigten Königreich sieht man zwar Teilzeitarbeit, wenn z. B. eine Mutter ein Kind unter fünf Jahren hat, da Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, diese Option anzubieten, wenn die ArbeitnehmerInnen dies wünschen. Für die Mehrheit ist eine kürzere Arbeitswoche aber nicht wirklich eine Option. Andererseits erhalten wir im Vergleich zu einigen anderen Ländern Europas großzügigere gesetzliche Leistungen, beispielsweise in den Bereichen Elternzeit und Krankengeld.

Durch Heimarbeit entfällt die „Verlustzeit“ des Pendelns

All dies scheint die ADP-Studie in unserem vorherigen Blog zu bestätigen, laut der Europäer eine klare Trennlinie zwischen ihrer Arbeit und ihrem Privatleben ziehen. Doch die Kultur der „fast ständigen Bereitschaft“ muss nicht immer schlecht für Mitarbeiter sein, denn auf der anderen Seite bietet sie Menschen mehr Flexibilität und damit die Möglichkeit, dann zu arbeiten, wann sie möchten. Heimarbeit ist unter britischen MitarbeiterInnen mittlerweile sehr verbreitet. Die Führungskultur hat sich in den letzten fünfzehn Jahren dahingehend verändert, dass MitarbeiterInnen immer öfter die Möglichkeit geboten wird, zu Hause zu arbeiten. Diese Veränderung hat enorme Vorteile mit sich gebracht, wobei die eingesparte „Verlustzeit“ beim Pendeln den größten Nutzen bietet. Da sich die Arbeit in den Großstädten konzentriert und wir in einem relativ großen Land leben, ist es in Großbritannien leider völlig normal, jeden Tag jeweils zwei Stunden von Tür zu Tür zu pendeln. Diese Zeitverschwendung zu beseitigen, indem man einige Tage der Woche im Homeoffice arbeitet, ist sowohl für Angestellte als auch Unternehmen eine großartige Sache, wodurch auch Produktivität und Wohlbefinden gesteigert werden. An den Tagen, an denen die MitarbeiterInnen im Büro sind, nutzen sie einen Hotdesk, da sie über keinen „eigenen“ Schreibtisch verfügen. Die Technologie spielt eine Schlüsselrolle bei diesem Wandel hin zu flexiblen Arbeitsplätzen. Heutzutage stellen viele Unternehmen ihren MitarbeiterInnen Apps oder Portale zur Verfügung, über die sie bereits vor ihrer Ankunft einen Schreibtisch, einen Arbeitsplatz oder einen Besprechungsraum buchen können.

Pendeln wirkt sich auf die Art und Weise aus, wie Menschen arbeiten. Zum Beispiel kann man während der Autofahrt zur und von der Arbeit telefonieren, aber normalerweise findet dies meist am Anfang oder Ende des Tages statt, also nur ein weiteres Beispiel für „fast ständige Bereitschaft“. Für Menschen, die mit Bus, Zug oder U-Bahn zur Arbeit fahren, bedeuten überfüllte Verkehrsmittel immer, dass ihrer Produktivität „von unterwegs aus“ ein Ende gesetzt wird. Heimarbeit bietet MitarbeiterInnen die große Chance, produktiver zu sein und auch ihre Work-Life-Balance zu verbessern. Einer der wichtigsten Faktoren für die zunehmende Arbeit vom Homeoffice aus ist der technologische Fortschritt, wobei der Einzug des Internets in unser Zuhause und unser Handy der wahrscheinlich größte Paradigmenwechsel der letzten Jahre ist. Auf diese Weise hat die Technologie unsere Arbeitsweise flexibler gemacht und vereinfacht, da wir z. B. E-Mails auf unserem Smartphone empfangen können. Sogar das Wort Smartphone scheint heute überholt, da von Telefonen erwartet wird, intelligent zu sein – es ist zu einer Normalität geworden.

Intelligenter arbeiten dank KI

Ein weiteres Beispiel der technologischen Entwicklung ist die künstliche Intelligenz (KI). Überall in den Nachrichten hören wir Geschichten darüber, wie die KI möglicherweise Arbeitsplätze ersetzen wird. Wird ein Roboter oder die KI es überflüssig machen, Verwaltungspersonal einzustellen oder administrative Aufgaben selbst zu erledigen? Natürlich können einige Aufgaben mithilfe von Computern automatisiert werden, aber wir müssen noch immer mit dem Roboter kommunizieren, damit der eine Aufgabe erledigt, wie z. B. eine E-Mail versendet. Wir müssen den Befehl erteilen, bevor der Roboter handeln kann, denn das Denken von Robotern ist begrenzt – zumindest bisher. Vielleicht kommt der Tag, an dem ich Alexa bitte, meine E-Mails zu beantworten – oder besser noch – an dem sie in der Lage ist, dies zu tun, ohne mich vorher zu fragen! Nun, das wäre wirklich eine Arbeitsersparnis. Nicht so sehr mein Amazon Echo, das meine Arbeit übernimmt, sondern die Möglichkeit, noch intelligenter zu arbeiten.

Christine Houghton
Sales Director Planon United Kingdom