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12. November 2014

BREEAM – Eine Plakette an der Tür sagt nicht alles

Gütesiegel erfüllen oft einen wichtigen Zweck. Wenn Organisationen ein solches Siegel aber nur haben wollen, um sich damit nach außen zu profilieren, verfehlt die Zertifizierung ihr Ziel. Das gilt auf jeden Fall für BREEAM, eine Zertifizierungsmethode, mit dem die Nachhaltigkeit von Gebäuden beurteilt und überwacht werden kann. In der Praxis dient diese Methode jedoch oft nur als Mittel zum Zweck: um sich eine Plakette mit möglichst vielen Sternen an die Firmentür hängen zu können, die das nachhaltige Image der Organisation demonstrieren soll.

Produkt Literatur - Planon Sustainability Management

Hilft, das Nachhaltigkeitsprofil von Gebäuden & Prozessen zu messen, zu verbessern und zu monitoren.

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Das ist sehr schade. Denn die Erlangung eines Zertifikats ist nicht das, worin die Stärke von BREEAM liegt. Wer BREEAM richtig einsetzt, versucht vor allem, selbst zu lernen und sich zu verbessern.

Was ist BREEAM?

BREEAM steht für „Building Research Establishment Environmental Assessment Method“. Es ist der am weitesten verbreitete Nachhaltigkeitsstandard für Gebäude in Europa. Die BREEAM-Zertifizierung gliedert sich in vier Bereiche: Neubau, Bestand, Gelände und Abriss. Der häufigste Fall ist die Bestandszertifizierung (In-Use), denn 99 Prozent aller Gebäude gehören nun einmal zum Gebäudebestand.

Mit BREEAM Bestand können Sie als Organisation regelmäßig feststellen, wie nachhaltig ein Gebäude genutzt und verwaltet wird. Dabei werden die Eigenschaften des Gebäudes selbst, die Installationen und die Bewirtschaftung bewertet. Die Beurteilung erfolgt in neun Kategorien:
1.      Management
2.      Gesundheit
3.      Material
4.      Energie
5.      Transport
6.      Wasser
7.      Umwelt
8.      Ökologie
9.      Abfall

Ein bis sechs Sterne

Es gibt heute kaum noch Organisationen, die sich nicht um Nachhaltigkeit bemühen. Die Messung der Leistungen in diesem Bereich wird immer wichtiger. Das Ergebnis wird durch Sterne ausgedrückt: ein zertifiziertes Gebäude kann einen Stern (ausreichend) bis sechs Sterne (herausragend) erhalten. Natürlich ist es schön, sich eine Plakette mit möglichst vielen Sternen an den Firmeneingang hängen zu können, aber welches Ziel verfolgt man damit eigentlich? Wie das so oft bei Zertifizierungen und Tests ist – wenn es um Beurteilungen geht, leiden viele Organisationen an einem Tunnelblick.
Wenn es Ihnen nur darum geht, eine Checkliste auszufüllen, um dann nachweisen zu können, dass Ihr Gebäude nachhaltig bewirtschaftet wird, dann hat die Zertifizierung ihr Ziel verfehlt.

Abschreckung

Außerdem kann eine Plakette sogar abschreckend wirken. Wenn Sie gerade erst begonnen haben, sich um eine nachhaltige Gebäudebewirtschaftung zu bemühen, kann es natürlich sein, dass Sie in einem Zertifizierungsverfahren erst einmal niedrigere Ergebnisse erzielen. Manche lassen sich dadurch entmutigen, obwohl es sich eigentlich um eine Nullmessung handelt, die anspornen soll: Unsere Leistungen reichen noch nicht aus, also haben wir viel Raum für Verbesserungen.

Vergleichen Sie es einmal mit dem Erlernen einer Sprache: Wer noch nie Chinesischunterricht hatte, aber sofort eine Prüfung ablegen soll, darf wohl eine glatte Sechs erwarten. Ist das ein Grund, alles hinzuwerfen? Oder vielleicht doch ein Ansporn zum Lernen?

Fangen Sie an!

Das Gute am BREEAM-System ist, dass Sie sich als Organisation selbst damit befassen können, ohne gleich ein Zertifizierungsverfahren einleiten zu müssen. Mithilfe von Self-Assessments können Sie feststellen, welche Aspekte bei Ihnen positiv sind und wo Verbesserungsbedarf besteht. Das gibt Ihnen Anknüpfungspunkte für Maßnahmen an die Hand: Wenn Ihr Bewirtschaftungsplan oder Ihr System für die Regenwasserableitung schlecht bewertet wird, wissen Sie genau, was Sie zu tun haben, um die Nachhaltigkeitsleistungen Ihres Gebäudes zu verbessern.

BREEAM ist ein sehr spezifisches Testverfahren mit spezifischen Maßnahmen – nutzen Sie es zu Ihrem Vorteil! Versteifen Sie sich also nicht auf ein Zertifikat mit möglichst vielen Sternen, sondern betrachten Sie das Verfahren als Instrument, um zu lernen und sich zu verbessern.

David Stillebroer
Director Product Management